Schmerztherapie

Ziel der Radionuklidtherapie ist die rasche und wirksame Schmerzlinderung bei Knochenmetastasen. Patienten benötigen weniger Opiate und haben eine bessere Lebensqualität. Die Schmerzlinderung einer einmaligen ambulanten Therapie kann von 4 Wochen bis zu 4 Monaten anhalten.

 
 
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Basiswissen Knochenmetastasen

Ein Kennzeichen von Krebserkrankungen ist die Fähigkeit der Tumorzellen, sich auch in anderem Gewebe als dem Ursprungsort anzusiedeln und Tochtergeschwülste auszubilden, sogenannte Metastasen. Bilden sich derartige Tochtergeschwülste in der Knochensubstanz aus, spricht man von Knochenmetastasen oder ossären Metastasen.

Je nach Art der Krebserkrankung treten Knochenmetastasen mehr oder weniger häufig auf. Prostatakrebs und Brustkrebs gehören zu den Krebsarten, deren Metastasen sich häufig im Knochen ansiedeln. Bei 70 bis 85% der Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs bilden sich Knochenmetastasen (metastasiertes Mamma-Ca), bei Patienten mit Prostatakrebs ist der Anteil mit 60 bis 80% ähnlich hoch.
 
Weitere Tumorerkrankungen, die im fortgeschrittenen Stadium häufig mit Knochenmetastasen einhergehen, sind Lungen- und Nierenkrebs sowie Schilddrüsenkrebs.

Die Entstehung von Knochenmetastasen

Die Ausbildung von Tochtergeschwülsten beginnt mit einem unkontrollierten Wachstum im Primärtumor. Erst wenn eine Gruppe von bösartigen Zellen die Fähigkeit erlangt, in Blut- und Lymphgefäße einzudringen, setzt der Prozess der Metastasierung ein. Einzelne Tumorzellen sind dann in der Lage, den Primärtumor zu verlassen und über die Blutbahn das Knochenmark zu erreichen. Dort verlassen sie die Blutgefässe wieder und setzen sich fest. Wenn sich solche einzelnen Zellen an ihrem neuen Standort vermehren, entsteht eine Tochtergeschwulst. Bei einer Absiedlung von Tumorzellen ins Knochenmark wird dann die unmittelbar benachbarte Knochensubstanz angegriffen und es bildet sich im Verlauf die eigentliche Knochenmetastase heraus.

Entstehung von Knochenmetastasen: Weg der Krebszellen vom Tumor zum Knochen
Entstehung von Knochenmetastasen: Weg der Krebszellen vom Tumor zum Knochen

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Die Schädigung der Knochensubstanz erfolgt nicht nur rein mechanisch durch den Druck der wachsenden Tochtergeschwulst, vielmehr wird das Gleichgewicht der ständigen Knochenerneuerung nachhaltig gestört.

Beim Gesunden ist die Knochensubstanz einem ständigen Erneuerungsprozess unterworfen. Es gibt knochenbildende Knochenzellen, die Osteoblasten, die neue Knochensubstanz produzieren, und knochenabbauende Knochenzellen, die Osteoklasten. Durch die anhaltende Erneuerung behält der Knochen seine Stabilität, wie ein Gebäude, das immer gewartet wird.
 
Durch die Anwesenheit von sich vermehrenden Krebszellen wird dieses Gleichgewicht gestört. Die Krebszellen sondern Botenstoffe ab, die die Arbeit der Knochenzellen hemmen oder steigern.
 
Wenn der Knochenabbau überwiegt, entstehen sogenannte Osteolysen, Stellen an denen die Knochensubstanz stark vermindert oder ganz verschwunden ist. Die Folge sind eine Beeinträchtigung der Stabilität und damit die Gefahr von Knochenbrüchen.

Es kann auch die Produktion von Knochensubstanz überwiegen, wenn vor allem die Arbeit der knochenbildenden Zellen krankhaft gesteigert ist. Lösen die Krebszellen eine solche Reaktion im Knochen aus, spricht man von osteoblastischen Metastasen. Auch hier kann die Stabilität beeinträchtigt sein. Es wird zwar vermehrt Knochensubstanz gebildet, diese ist jedoch minderwertig und trägt nicht zum Aufbau eines stabilen, gesunden Knochens bei.

Knochenmetastasen entstehen bevorzugt in den gut durchbluteten Skelettabschnitten, die das blutbildende Knochenmark beherbergen. Dazu gehören Schädel, Wirbelkörper, Becken, Oberarme und Oberschenkel.

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Beschwerden durch Knochenmetastasen

Schmerz, Foto: Monkey Business ©fotolia

Schmerzen

Mehr als 75% aller Krebspatienten sind im Verlauf ihrer Erkrankung von Schmerzen betroffen, die durch den Tumor verursacht werden. Auch das Wachstum von Tochtergeschwülsten im Knochen verursacht häufig heftige Knochenschmerzen. Der Auslöser kann unterschiedlich sein, wobei der Schmerz meist aus einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren entsteht: Zum einen führt das Wachstum der Metastase im Knochen zur Freisetzung schmerzauslösender Botenstoffe. Zum anderen geht die Verdrängung des Gewebes durch die Ausdehnung des Tumors mit einer Dehnung der äußerst schmerzempfindlichen Knochenhaut einher.
 
Bei Knochenmetastasen können zwei Schmerzkategorien nach ihrem Entstehungsort unterschieden werden. Sie werden vom Betroffenen unterschiedlich wahrgenommen:

 

  • Nozizeptive Schmerzen:
    Die nozizeptiven Schmerzen entstehen durch die direkte Reizung von Schmerzrezeptoren, z. B. in der Knochenhaut. Auslöser der Reizung können chemische Botenstoffe aber auch die Kompression durch wachsende Tumorzellen sein. Dieser Schmerz zeichnet sich meist als gut lokalisierbar und vom Empfinden als dumpf oder stechend aus.

  • Neuropathische Schmerzen:
    Sind weiterführende Nervenbahnen betroffen, spricht man vom neuropathischen Schmerz. Im Gegensatz zu nozizeptiven Schmerzen ist dieser oftmals nicht so gut zu lokalisieren und der Betroffene beschreibt ihn als einschießenden Schmerz, gefühlt als Brennen oder Reißen. Die Irritation von Nervenstrukturen durch Kompression kann die Ursache sein.

Knochenbrüche

Befallene Knochen können schon durch geringe Belastung oder auch spontan brechen. Besonders im Bereich der Wirbelsäule sind solche Knochenbrüche gefährlich, da eine Verletzung des Rückenmarks droht und Lähmungen und Gefühlsstörungen als Folge auftreten können.

Beeinflussung des Kalziumspiegels

Bei besonders starkem Knochenabbau durch die Metastasen kann der Kalziumspiegel im Blut durch eine vermehrte Kalziumfreisetzung aus dem Knochen (Hyperkalzämie) ansteigen. Ein stark erhöhter Kalziumspiegel kann unter anderem Verwirrtheitszustände, Störungen des Flüssigkeitshaushaltes, Herzrhythmusstörungen, Übelkeit und Erbrechen zur Folge haben.

Beeinflussung der Blutbildung

Bei einer ausgedehnten Metastasierung ins Knochenmark kann auch die Blutbildung beeinträchtigt werden, so dass die Blutzellzahlen absinken können. Ein starkes Absinken der weißen Blutkörperchen kann eine Anfälligkeit für Infektionen mit sich bringen, ein Absinken der Blutplättchen eine Blutungsneigung, und das Absinken der roten Blutkörperchen führt zu Müdigkeit und Abgeschlagenheit.

Nicht alle der genannten Beschwerden müssen auftreten, wenn ein Patient Knochenmetastasen hat, meist steht eines der aufgeführten Beschwerdebilder im Vordergrund, am häufigsten sind es die Schmerzen.

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